Unser erster Gedenk- und Trauerspaziergang am Wasserschloss Werdringen

Zum ersten Mal haben wir als Hospiz ein Gedenk- und Trauerspaziergang gestaltet. Zahlreiche Angehörige und Zugehörige sind der Einladung gefolgt, um gemeinsam der Menschen zu gedenken, die sie verloren haben, Erinnerung zu teilen und in der Gemeinschaft und der Natur Trost zu finden. Der Weg führte rund um das Wasserschloss und lud an verschiedenen achtsam gestaltenten Stationen zum Innehalten ein. 
Zu Beginn wurden bunte Bänder aufgehängt, jedes einzelne als persönliches Zeichen für einen verstorbenen Menschen. Während des Spaziergangs sammelten die Teilnehmenden Naturmaterialien wie Steine, Blätter, und Kastanien. Sie wurden zu Symbolen für persönliche Gedanken, Trauer und Erinnerung. Am Ende des Weges wartete ein noch unvollständiges Mandala. Nach und nach legten alle ihre gesammelten Naturschätze dazu. So entstand ein gemeinsames Kunstwerk, in dem viele individuelle Erinnerungen ihren Platz fanden. Den besinnlichen Abschluss bildete eine kleine Andacht mit einem Pfarrer. Danach durfte jede und jeder eine Kerze für einen geliebten Menschen entzünden. Begleitet wurde dieser Moment vom sanften Klängen einer Handpan. Das Beisammensein war so gestaltet, dass sich alle willkommen und aufgehoben fühlen konnten, ganz unabhängig ob sie gläubig sind oder nicht. Für viele war dieser Augenblick  besonders berührend. Bei Kuchen und warmen Getränken im Schloss Café blieb anschließend viel Raum für vertraute Gespräche, persönliche Erinnerung und einen behutsamen Austausch. So klang ein rundum würdevoller Nachmittag in angenehmer Atmosphäre aus.
Die Idee zu diesem  besonderen Spaziergang stammt von zwei unserer Kolleginnen. Das gesamte Hospiz Team sofort begeistert und unterstützte die Umsetzung mit viel Engagement. Haupt- und Ehrenamtliche arbeiteten Hand in Hand, gestalteten die Stationen und  begleiteten diesen besonderen Nachmittag gemeinsam.
Dieser Gedenk- und Trauerspaziergang hat gezeigt, wie wohltuend es sein kann, Erinnerungen nicht nur im Herzen zu bewahren, sondern sie auch miteinander zu teilen. Wer wollte, durfte erzählen, warum genau dieses Mitbringsel aus der Natur in das Mandala gelegt wurde. So erzählte eine Teilnehmerin warum sie die Kastanie abgelegt hatte:
“Mein Mann hat bei unseren gemeinsamen Spaziergängen immer die allererste Kastanie der Saison aufgehoben und in die Jackentasche gesteckt. Er war überzeugt, das schütze vor Rheuma. Wenn andere schmunzelnd meinten, das sei doch Quatsch, hat er nur geantwortet: Wieso? Ich hab doch kein Rheuma`"

 

 

Es sind genau diese feinen liebevollen Anekdoten, die uns ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Sie erzählen von gemeinsamen Erlebnissen und von der Verbundenheit, die über den Tod hinaus bestehen bleiben. 

Wir freuen uns, dass wir mit diesem Spaziergang ein Raum schaffen konnten, in dem Trauer, Dankbarkeit und schöne Erinnerungen nebeneinander Platz haben durften.